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Leseprobe 1

Das Buch

Delia war ziemlich durcheinander und gleichzeitig unendlich dankbar, dass Rita bei ihr war.

Sie blieb bei ihr bis das Baby seinen ersten Schrei tat und auch noch länger.
Auch wenn die Hebamme protestierte, dass es fremden Frauen nicht gestattet sei, bei der Geburt dabei zu sein.
Rita baute sich mit ihren mageren 1,60 Meter vor ihr auf und dröhnte mit ihrer verrauchten Stimme, dass der Vater des Kindes im Moment nicht erreichbar sei und sie Delia jetzt nicht alleine lassen könne mit ihr, der Hebamme.
Die Hebamme, ihrerseits sehr groß und kräftig, quittierte Ritas Ausbruch mit einem spitzen Lächeln und sagte nichts mehr.
Nach wenigen Stunden des Schreiens und Stöhnens war es überstanden.
Das Baby wurde von der Hebamme zunächst gewaschen und gewogen. In ein Handtuch eingehüllt kam sie mit ihm zurück zu der erschöpften Delia.
Rita saß bei ihr auf dem Bett.
„Es ist ein Junge.", sagte die Hebamme nüchtern und legte das Baby in Delias Arm.
Sie versuchte, sich ein wenig aufzusetzen, was nur schwer ging. Alos blieb sie liegen und betrachtete das Bündel in ihrem rechten Arm.
Mit der linken Hand hob sie das Handtuch vom Kopf des Kindes, um sein Gesicht sehen zu können.
`Oh mein Gott!`, dachte sie verzweifelt und Bilder tauchten in ihrem Kopf auf, die sie seit Monaten versuchte zu vergessen.
Auch Rita war plötzlich ganz still. Es war nur ihr rasselnder Atem zu hören, der von zu vielen Zigaretten zeugte.
Das Baby lag friedlich in das Tuch eingehüllt, hatte die Augen geschlossen und schlief.

Es hatte feuerrote Haare!

Mario stürmte freudestrahlend in`s Zimmer und rief: „Ich habe schon gehört, Delia, mein Schatz, es ist ein Junge!!"
Die beiden anderen Frauen, mit denen Delia das Zimmer teilte, schreckten hoch.
Ein Duft frischen Rasierwassers erfüllte den engen, stickigen Raum.
`Da hat er sich extra nochmal frisch gemacht für seinen Sohn.`, dachte Delia verbittert.
Mit großen Schritten trat er auf Delia zu, die im letzten Bett am Fenster lag.
Er nickte Rita kurz lächelnd zu und setzte sich auf den Rand des Bettes.
Sein Hemd war verschwitzt von der Arbeit, aber das Gesicht und die Hände hatte er sich im Duschraum der Lagerhalle offensichtlich frisch gewaschen.
Seine schwarzen Haare waren ordentlich nach hinten gekämmt.
Er nahm Delias Hand und drückte sie fest.
„Delia, Liebes, du siehst ja ganz erschöpft aus.", sagte er zärtlich.
Rita trat einen Schritt zurück und lehnte sich an die Fensterbank.
„Wo ist er denn nun der kleine Hosenscheißer?", fragte er fröhlich.
Delia hatte das Kind zurück in das Bettchen gelegt.
Es stand direkt neben ihr und war mit einem Himmel links und rechts zugezogen, damit nicht das grelle Sonnenlicht das Baby weckte.
Sie deutete mit dem Kopf in Richtung des Babybettes.
Mario ließ ihre Hand los und stand auf.
Behutsam zog er die eine Seite des Himmels beiseite, so dass er einen ungehinderten Blick auf sein Kind werfen konnte.
Delia sah Rita an.
Sie konnte in diesem Moment weder etwas sagen noch sich bewegen.
Rita schloss die Augen, faltete die Hände und hob sie an ihren Mund.
Auch sie sagte keinen Ton.
Mario trat näher an das Bettchen heran und beugte sich hinunter zu dem Baby, um es genau zu betrachten.
Plötzlich wich alle Leichtigkeit aus seinem Gesicht und seine Schultern strafften sich
zusammen, als er sich wieder aufrichtete.Das Kind, bis dahin ganz friedlich, öffnete die Augen und begann zu knöttern.
Seine Fingerchen streckte es steif von sich.
Mario drehte sich um und blickte Delia direkt an. In seinem Gesicht stand ein einziges Fragezeichen.
„Delia! Was ist das?", flüsterte er.
Delia nahm die Hände vor`s Gesicht, weil sie seinen Blick nicht ertragen konnte.
„Es ist dein Sohn, Mario." klang ihre Stimme gedämpft hinter den Händen und Tränen rannen ihr über das Gesicht.
„Das ist nicht mein Sohn!", antwortete Mario.
„Das ist ein elender, rothaariger Bastard!"
Diesen Satz schleuderte er ihr derart heftig entgegen, dass selbst Rita, immer noch an der Fensterbank lehnend, zusammen zuckte.
Delia konnte die Hände nicht vom Gesicht nehmen. Wilde Schluchzer ergriffen sie und sie wünschte sich an einen anderen Ort.
Weg von diesem Krankenhaus, weg von diesem Zimmer und weg von diesem Kind.
Sie hörte die Zimmertür zuknallen.
Als sie nach einer halben Ewigkeit die Augen öffnete und vorsichtig durch ihre Finger lugte war Mario verschwunden.

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